Interpretation der Genauigkeitskarte
Die Genauigkeitskarte wurde aus ungefähr 6'000 über die ganze Schweiz verteilten Transformationsstützpunkten (Eckpunkte der Dreiecke) und fast 45'000 Kontrollpunkten, welche über Koordinaten in LV03 und LV95 verfügen, berechnet.
Als Interpolationsverfahren kam dasjenige des «gewichteten Mittels» zur Anwendung, wobei in erster Linie Daten der Kantone verwendet wurden, welche diese im Rahmen der Erarbeitung der Dreiecksvermaschung erhoben hatten.
Die Genauigkeitskarte wurde aus diesen Daten wie folgt erzeugt:
- Über das ganze Gebiet der Schweiz wurden Zellen von 500 x 500 m Grösse gebildet.
- Für jede Zelle wurde aus den fünf umliegenden Punkten ein Mittelwert für die Genauigkeit berechnet. Das Gewicht des einzelnen Punktes nahm mit dem Abstand zur Zellmitte quadratisch (1/Distanz²) ab. Zudem wurden nur Punkte berücksichtig, welche sich bis maximal 1.5 km von der Zellmitte entfernt befanden.
Die Qualität des Interpolationverfahrens hängt einerseits von der Verteilung und Messgenauigkeit der Kontrollpunkte, anderseits aber auch von der möglichst repräsentativen Auswahl solcher Punkte ab. Obwohl alle Daten von swisstopo überprüft wurden, kann es in Einzelfällen zu örtlichen Abweichungen gegenüber bestehenden Geodaten wie z. B. Grenz- oder Detailpunkten kommen. swisstopo kann also in diesem Sinn die Genauigkeit nicht garantieren. Zusätzlich ist zudem auch noch die Positionierungsgenauigkeit der GNSS-Systemen in Abhängigkeit der Satellitenkonstellation zu berücksichtigen. Bitte beachten Sie auch, dass die Genauigkeitskarte nicht für Näherungslösungen wie z. B. LSKS (Länderspezifisches Koordinatensystem) / CSCS gilt.
Anwendung im GIS-Bereich
(Genauigkeitsanforderungen von einigen Zentimetern bis Dezimeter)
Bei der Datenerhebung für Geoinformationssysteme wie z.B. Leitungs- oder Werkkataster empfiehlt swisstopo, den Positionierungsdienst swipos im offiziellen Bezugsrahmen des Kantons zu verwenden. Zurzeit arbeitet einzig der Kanton Wallis in LV95, alle anderen Kantone verwenden noch LV03. Vor der Messkampagne ist jeweils die Satellitenkonstellation zu überprüfen, im Falle von LV03 zudem auch die Genauigkeit der Transformation anhand des FINELTRA-Datenviewers. Generell wird empfohlen, jeweils zu Beginn, in der Mitte und am Ende der Messkampagne mit dem GNSS-Empfänger auf einem bekannten Vermessungspunkt (online verfügbar über den FPDS-Datenviewer) zu stationieren, so dass die Einstellungen sowie - im Falle von LV03 - die Transformationsgenauigkeit anhand der Differenzen zwischen gemessenen und offiziellen Koordinaten überprüft werden können. Ist letztere nicht ausreichend, ist gegebenenfalls eine lokale Einpassung durchzuführen. Ein detailliertes Entscheidungsdiagramm für die Aufnahme von Detailpunkten mit swipos ist den swipos-news vom April 2006 zu entnehmen.
Anwendung in der amtlichen Vermessung
(hohe Genauigkeits- und Zuverlässigkeitsanforderungen, wie z.B. in der Ebene Liegenschaften)
Für zahlreiche Anwendungen in der Geomatik reicht die im FINELTRA-Datenviewer ausgewiesene Genauigkeit bei Weitem aus. Je nach Kanton und Gebiet kann jedoch die im FINELTRA-Datenviewer ausgewiesene Genauigkeit nicht eingehalten werden, weil die lokalen Datenbestände mit Spannungen behaftet sind oder mit dauernder Bodenverschiebung gerechnet werden muss. Es können also aus dem FINELTRA-Datenviewer keine punktbezogenen Genauigkeiten abgeleitet werden. Für die Anwendung in der amtlichen Vermessung muss daher in der Nachführung zwingend eine lokale Anpassung vorgenommen werden oder zumindest der Nachweis erbracht werden, dass auf eine solche verzichtet werden kann (vgl. Richtlinie zum Einsatz von GPS in der AV der KKVA). Selbstverständlich behalten die Bestimmungen zur amtlichen Vermessung insbesondere die Genauigkeitsanforderungen nach TVAV (SR 211.432.21) weiterhin Gültigkeit und sind sinngemäss anzuwenden.
Für Bemerkungen zu dieser Seite:
GeodäsieZuletzt aktualisiert am: 17.08.2010