Bruchzone Genf/Waadt
Entlang der Kantonsgrenze zwischen Waadt und Genf ist die Transformation zwischen den beiden Bezugsrahmen LV03 und LV95 speziell zu behandeln. Die Transformation mit der nationalen Dreiecksvermaschung ist in diesem Gebiet aus technischer Sicht zwar uneingeschränkt möglich, sie unterliegt jedoch bezüglich Genauigkeit und Anwendung einigen Besonderheiten.
Ursache
Diese Besonderheiten haben folgende Ursache:
Bei der Revision der Triangulation 1. und 2. Ordnung von 1977 wurden die Koordinaten der LFP1 in der Westschweiz um ca. 30 cm geändert. Darauf basierend erfolgte im Kanton Waadt die Parzellarvermessung nach der Überarbeitung der Triangulation 3. und 4. Ordnung.
Im Gegensatz dazu wurde (bis heute) die Triangulation des Kantons Genf nie angepasst. Diese Differenz von etwa 30 cm in LV03 wirkt sich über den gesamten Kanton Genf aus. Infolge dessen existierten entlang der Kantonsgrenze ursprünglich Koordinatendifferenzen in LV03 mit Extremwerten an Lücken oder Überlappungen zwischen 23 cm und 37 cm.
Lösung
Für die nationale Dreiecksvermaschung wurde nun folgende Lösung gewählt:
- Die Koordinaten von Waadt (LV03 und LV95) wurden unverändert übernommen. Sämtliche Kantonsgrenzpunkte wurden als Transformationsstützpunkte (Eckpunkte der Dreiecke) gewählt.
- Im Kanton Genf wurden mit einer Transformation die teilweise bis zu 37 cm breiten Überlappungen zu Waadt, die in LV03 bestehen, eliminiert. Um Überschneidungen gänzlich zu vermeiden, musste dabei eine Pufferzone von 3 cm berücksichtigt werden. Daraus resultierte eine Lücke (sogenanntes «Niemandsland») zwischen den Kantonsgrenzen von Waadt und Genf (vgl. nachfolgende Abbildung). Die transformierten Grenzpunkte, welche sich in LV03 rund 3 cm von den Kantonsgrenzpunkten von Waadt entfernt befinden, werden im Datensatz CHENyx06 als Transformationsstützpunkte verwendet.
- Damit die Transformation mit der nationalen Dreiecksvermaschung flächendeckend für die gesamte Schweiz definiert ist, wurde das «Niemandsland», welches in LV03 eine Breite von 3 cm aufweist, ebenfalls vermascht und in den Datensatz CHENyx06 integriert.

Besonderheiten
Bei Anwendungen mit Genauigkeitsanforderungen von einigen Zentimetern bis Dezimeter sind deshalb für die Transformation entlang der Bruchzone folgende Besonderheiten zu berücksichtigen:
- Auf der Seite von Waadt ist die Transformation bezüglich der Genauigkeit ohne spezielle Einschränkung möglich. Die Transformationsgenauigkeit kann mit Hilfe des interaktiven FINELTRA-Datenviewers abgeschätzt werden.
- Innerhalb des Niemandslandes ist die Transformation nicht repräsentativ. Aufgrund der gewählten Lösung werden in diesem Bereich allfällige Objekte völlig falsch mit einem Deformationsfaktor von 10 transformiert (10 Millionen ppm). Diese grossen Verzerrungen sind ausserdem dafür verantwortlich, dass bei Berechnungen mit der (alten) Software FINELTRA, nicht aber mit REFRAME oder der FINELTRA-DLL, unter Umständen Schwierigkeiten auftreten können.
- Ein Streifen mit einer Breite von etwa 40 cm entlang der Kantonsgrenze auf Genfer Seite kann mit den LV03- Koordinaten von Genf nicht nach LV95 transformiert werden. Die umgekehrte Transformation kann nur LV03-Koordinaten des Kantons Waadt ergeben. Allfällige Punkte, die sich auf der Seite von Genf bis etwa 40 cm von der Kantonsgrenze entfernt befinden, können zwischen LV03 und LV95 nicht direkt hin- und zurück- transformiert werden, sie sind somit manuell zu berechnen.
- Die Transformation von geometrischen Elementen, welche sich über die Kantonsgrenze erstrecken, erfordert aufgrund der starken Verzerrungen eine individuelle Handhabung.
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GeodäsieZuletzt aktualisiert am: 16.08.2010