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Säntis - Das Unglück auf dem Säntis 1832

Vom 4. bis 9. Juni 1832 hatte Ludwig Wurstemberger zur ersten Kommission für Landesaufnahmen fünf Experten nach Bern einberufen. In der Debatte wurde unter anderem beschlossen, dass das bestehende Triangulationsnetz durch Antoine-Josef Buchwalder an die österreichische Triangulation angeschlossen werden soll. Dazu mussten Buchwalder und sein Gehilfe Gobat auf dem Säntis die nötigen Winkel messen.

Zeitgenössisches Porträt von Antoine-Joseph Buchwalder
Antoine-Joseph Buchwalder (1792–1883). swisstopo, Bildsammlung, Technische Aufnahme 1044.

Buchwalder traf, ausgerüstet mit den Instrumenten und einem Zelt, zusammen mit seinem Gehilfen Pierre Gobat, am 29. Juni 1832 auf dem Säntisgipfel ein. Dort ereignete sich am 5. Juli ein schweres Unglück, das Buchwalder am folgenden Tag in seinem Brief vom 6. Juli aus Alt St. Johann im Toggenburg schilderte.

Demnach waren morgens um Viertel nach 6 Uhr zwei Blitzschläge zu hören, auf die Gewitter begleitet von Hagel folgten. Um 10 Uhr hörte das Gewitter auf, und Buchwalder und Gobat verliessen das Zelt. Kaum waren sie draussen, als der Regen von neuem einsetzte und sie zur Umkehr zwang. Das Gewitter wurde immer stärker und es blitzte wieder.

Foto von Messgerät
Mit diesem grossen kombinierten Universalinstrument hat Buchwalder vermutlich auf dem Säntis gemessen. swisstopo, Historische Instrumentensammlung, Nr. 1007

Schliesslich schlug ein Blitz in das Zelt ein und tötete Gobat an Buchwalders Seite. Er selber wurde an seinem linken Bein getroffen. Nach und nach stellte sich der Blutkreislauf wieder ein und Buchwalder konnte das Bein wieder bewegen.

Der Sturm dauerte an und er konnte sich kaum auf den Beinen halten. Er war zweieinhalb Stunden von den nächsten Hütten entfernt. Zudem war er nicht sicher, ob Gobat wirklich tot war. Schliesslich beschloss Buchwalder in seiner Hilflosigkeit, ins Tal abzusteigen. Als ob ihm nicht schon genug Unglück wiederfahren wäre, verbarg ihm dicker Nebel den richtigen Weg. Er sah sich plötzlich eingeschlossen zwischen Felsen und schrecklichen Abgründen.

Erst als sich der Nebel einen Augenblick hob, konnte er dieser grossen Gefahren entrinnen. Endlich kam er bei den ersten Hütten an und konnte zwei Männer dazu bewegen, auf den Säntis zu steigen um sich zu vergewissern, ob Gobat noch lebe oder verstorben sei.

Ein Bote überbrachte ihm abends um 9 Uhr die Nachricht, dass Gobat nicht mehr zu sich gekommen und tatsächlich tot sei. Morgens um zwei Uhr stiegen zehn Männer auf den Säntis, um den Leichnam zu bergen und die Instrumente zurückzubringen.

Buchwalder erholte sich in der Taminaschlucht und konnte Mitte August bereits wieder seine Arbeiten aufnehmen. Was Gobats Hinterbliebene anbetrifft, beschloss die Tagsatzung am 26. Juli 1832 auf Antrag der Militärkommission, der Mutter und der Witwe von Gobat einen Betrag von 600 Franken zukommen zu lassen.

Literatur: Buchwalder, Antoine-Joseph: Catastrophe du Sentis. Staatsarchiv Basel-Stadt, Privatarchiv PA 411 (Nachlass Buchwalder), I, Copien von Briefen Oberst Buchwalder an dessen Pflegevater A. Watt, 6.7.1832.

Ausschnitt aus Originalzeichnung
Der Säntis und seine benachbarten Punkte im Netzplan der Triangulation Primordiale von 1838. swisstopo, Geodäsie-Archiv, 161,6 (verkleinert).

Dokumentation


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