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Neues geologisches Atlasblatt im Berner Oberland

Das neue Blatt Nr. 167 Innertkirchen des Geologischen Atlas der Schweiz ist steinreich! Es zeigt eine aktuelle und detaillierte Bestandsaufnahme der geologischen Verhältnisse des unteren Haslitals und des Sustengebiets und liefert wichtige Grundlagedaten für die Errichtung von Infrastrukturbauten, den Schutz vor Naturgefahren und die Versorgung mit Rohstoffen.

22.10.2020 | DKW

Das Blatt Innertkirchen des Geologischen Atlas der Schweiz 1:25 000 umfasst einen Ausschnitt aus dem Gebirgszug im Grenzbereich der Kantone Bern, Ob- und Nidwalden. Im Südwesten des Kartengebiets verläuft das untere Haslital, von Nordosten her das Gadmertal. Das Gental erstreckt sich über die Engstlenalp bis hin zum Jochpass.

Zwischen Feuer und Eis: eine abwechslungsreiche geologische Geschichte
Die Kristallingesteine im Atlasblatt Innertkirchen wurden von drei Gebirgsbildungen geprägt, die in höchst unterschiedlichem Masse ihre Spuren hinterlassen haben. Der Telltistock-Granit und die Gesteine der Trift-Formation sind Zeugnis der erhöhten magmatischen und vulkanischen Aktivität vor etwa 300 Millionen Jahren. Die Kristallingesteine werden später von Sedimentgesteinen überlagert, die vor rund 150 Millionen Jahren, in einem heute längst verschwundenen Meer abgelagert wurden. Während der alpinen Gebirgsbildung wurden diese Sedimentgesteine intensiv verfaltet, übereinander geschoben und auf über 3 000 Meter angehoben. Sie bilden heute die markanten nordwestlichen Talflanken und den Gipfelaufbau des Ürbachtals und des Gadmertals.
Gut dokumentiert ist die jüngere Geschichte der letzten Vergletscherung: Sie reicht von der Zeit der maximalen Ausdehnung vor 23 000 Jahren bis zum heutigen Gletscherschwund, der sich besonders eindrücklich beim Triftgletscher zeigt, der vom Hochstand während der «Kleinen Eiszeit» um 1850 bis heute über vier Kilometer zurückgewichen ist.

Grösster künstlich ausgelöster Felssturz der Schweiz
Das nördliche Kartengebiet ist dank der mächtigen Kalkformationen reich an markanten Karsterscheinungen wie Dolinen und Höhlen. Die Höhlen im Gebiet der Melchsee-Frutt zählen mit einer Länge von 20 bis 30 Kilometer zu den längsten Höhlen der Schweiz.
Ein Spezialfall ist der Felssturz am Chapf unterhalb der Blattenalp, der in den Jahren 2001 und 2002 durch Sprengungen künstlich ausgelöst worden ist, um die Sicherheit der Grimselpassstrasse zu gewährleisten. Mit rund 250 000 Kubikmeter Fels handelt es sich dabei um den bisher grössten künstlich ausgelösten Felssturz der Schweiz.

Reiner weisser Marmor, Eisenerz und Wasser
Bei Schaftelen, unweit der Talstation der Triftbahn, wurde vom 17. bis ins frühe 20. Jahrhundert ein auf der Alpennordseite selten vorkommender weisser Marmor abgebaut. Unter dem Namen «Marbre d’Oberhasli» ist dieses weisse, äusserst reine, sehr feinkörnige, dem italienischen Carrara-Marmor nicht unähnliche Gestein in die bernische und europäische Kunstgeschichte eingegangen. Er wurde in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts neben anderen einheimischen Dekorationsgesteinen verarbeitet, wenn auch nie für grössere Werkstücke, sondern nur für Kamineinfassungen oder für Grab- und Erinnerungstafeln.
Im Gebiet Planplatten – Balmeregghorn – Ärzegg wurden vom 14. bis ins 19. Jahrhundert in mehreren Gruben die Eisenerzvorkommen abgebaut. Das Erz wurde damals von den hochgelegenen Gruben mittels 300 bis 450 Kilogramm fassenden Holzschlitten über die steilen Wege zum Hüttenwerk im Gadmertal transportiert.
Einen weiteren gebietsspezifischen Rohstoff stellt das Wasser dar: Das Susten- und das südlich angrenzende Grimselgebiet sind wegen der hohen Niederschlagsmengen, der grossen Höhenunterschiede und des stabilen kristallinen Untergrunds prädestiniert zur Nutzung der Wasserkraft für die Stromproduktion. So prägen heute Staumauern, Stollen, Ausbruchsdeponien, Kraftwerksbauten und Stromleitungen grosse Teile des Kartengebiets.

Für Auskünfte:
Ruedi Bösch, Kommunikation swisstopo, ruedi.boesch@swisstopo.ch, +41 58 469 01 27

Der Geologische Atlas der Schweiz 1:25000

Das Blatt Innertkirchen umfasst – wie alle Blätter des Geologischen Atlas der Schweiz 1:25 000 – neben der geologischen Karte mit Legende eine Übersichtskarte, eine Tafel mit geologischen Querschnitten und eine illustrierte Broschüre, welche die Geologie des Gebiets im Detail erläutert. Mit dem Blatt Innertkirchen erscheint die Nummer 167 von dereinst rund 220 Blättern. 1930 erschien mit Delémont das erste Atlasblatt. In einem Kartenblatt stecken durchschnittlich 600 Arbeitstage; je die Hälfte der Arbeitszeit entfällt auf die Kartierung im Gelände und das Erstellen des Kartenoriginals. Die andere Hälfte wird für Redaktion und Produktion der Karte, der zugehörigen Erläuterungen und des Datensatzes benötigt. Jede Karte ist auch als Vektordatensatz erhältlich, dank den geologischen Vektordaten GeoCover ist die ganze Schweiz auch digital einsehbar.

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