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Die Dufourkarte des Untergrunds

Zwischen 1860 und 1887 verschmolz das erste amtliche Kartenwerk der Eidgenossenschaft – die Dufourkarte – mit dem Untergrund. Forscher durchwanderten das Mittelland, die Alpen und den Jura, um die Geologische Karte der Schweiz im Massstab 1:100 000 herzustellen.

08.01.2020 | frf

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Im Herbst des Jahres 1859 fiel eine für die Schweizer Geologie richtungsweisende Entscheidung. Die Bundesversammlung bewilligte eine Förderung der Schweizerischen Naturforschenden Gesellschaft (SNG) mit 3000 Franken. 1860 gründete die Gesellschaft mit diesen Geldern die Geologische Kommission, welche die Arbeiten an einem Meilenstein der Schweizer Geologie leitete und koordinierte: Auf Basis der Dufourkarte entstand zwischen 1860 und 1887 die «Geologische Karte der Schweiz» im Massstab 1:100 000. Sie sollte das «Felsengebäude Helvetiens» genauer, detaillierter und einheitlicher darstellen als ihre Vorgängerwerke.

Topografische Grundlagen

Dreissig Geologen arbeiteten während fast drei Jahrzehnten an den 21 Blättern des Kartenwerks. Für den Erfolg der Forscher waren topografische Karten äusserst wichtig. Sie dienten als Basis und Orientierung bei der Feldforschung zum Schweizer Untergrund. Die Geologische Kommission bemühte sich deshalb um kantonale Karten, die oft in grösseren Massstäben vorlagen. Auf ihnen hatten die Geologen genügend Raum, um ihre im Feld gemachten Beobachtungen einzutragen. Zudem enthielten Karten grösseren Massstabs detailliertere Darstellungen des Terrains, insbesondere der Felsformationen, was für die Arbeit der Forscher zentral war. Die topografischen und geologischen Karten befanden sich deshalb in einem engen Wechselverhältnis: Sie mussten «mit einander harmoniren und sich gegenseitig ergänzen und erläutern», wie der Basler Geologe Albrecht Müller im Jahr 1862 betonte.

Die «Zeit der Expeditionen»

Waren die erforderlichen topografischen Karten in den Händen der Geologen, konnten sie mit der Feldarbeit beginnen. Ihre Arbeit teilten sie analog zur Blatteinteilung der Dufourkarte auf. Ein einzelner oder mehrere Forscher untersuchten die Geologie auf dem Gebiet eines ganzen Kartenblattes – ein gewaltiges Vorhaben.

Der Sommer war, wie es der Luzerner Geologe Franz Joseph Kaufmann formulierte, die «Zeit der Expeditionen». Die Forscher schwärmten in verschiedene Gebiete der Eidgenossenschaft aus und verbrachten jeweils ungefähr 40 Tage auf Touren durch Schweizer Berge, Auen und Täler. Auf diesen Feldbegehungen, die auch «geognostische Wanderungen» genannt wurden, waren die Forscher vor allem auf ihren geschulten Blick angewiesen. Sie suchten nach «Aufschlüssen», also nach Stellen, an denen sich die oberste Gesteinsschicht an der Erdoberfläche offenbarte.

Noch interessanter war aber der Alpenraum, wo der Blick auf Berge und Felswände Informationen über die Schichtung der Gesteine versprach. So berichtete der spätere Professor der ETH Zürich, Albert Heim, im Jahr 1872: «Wo die Schichten ungestört horizontal liegen, sieht man natürlich immer nur eine Oberfläche; Flusseinschnitte entblössen tiefere Schichten. Das beste Feld für den Geologen sind aber die Gebirge. Da erhält er für das Studium der Erdrinde mächtige Aufschlüsse von oft vielen tausend Fuss Höhe, und die Schichten sind steil aufgerichtet, gebrochen und gebogen worden, so dass auch die tiefsten Lager an die Oberfläche treten.»

Ihre Beobachtungen trugen die Forscher in die mitgenommenen topografischen Karten und in Feldbücher ein. Auf Basis dieser im Feld gesammelten Informationen über den Untergrund entstanden die 21 Blätter der Geologischen Karte der Schweiz.

Die geologische Kolorierung

In den Wintermonaten arbeiteten die Forscher an der geologischen Bearbeitung ‘ihrer’ Blätter der Dufourkarte. Mit flächigen Einfärbungen (Kolorierungen) markierten sie, welche Gesteinsform an welchem Ort die oberste Schicht des festen Untergrunds bildete.

Weil die Geologen im Feld meist kantonale Karten verwendet hatten, die in weitaus grösseren Massstäben vorlagen, mussten sie aber Vieles vereinfacht darstellen (generalisieren). Der Berner Professor Bernhard Studer sah darin im Jahr 1860, also zu Beginn des geologischen Kartierungsprojekts, noch kein Problem: «Sind dann, im Verlauf mehrerer Jahre, die einzelnen Landesteile geologisch aufgenommen, wenn auch auf Karten von ungleichem Massstabe, so wird es nicht schwer sein, ihre Terrainbestimmungen nach einem übereinstimmenden Princip auf die Karten des Dufouratlasses überzutragen.»

Einige Geologen empfanden den kleinen Massstab der Dufourkarte jedoch als unbefriedigend. Sie beklagten, dass sie ihre Erkenntnisse nicht angemessen im Kartenbild wiedergeben konnten. So erging es auch Casimir Moesch, der den Aargauer Jura und den Norden des Kantons Zürich geologisch erforschte. Seine Beobachtungen hatte er in der Wild-Karte des Kantons Zürich und den Messtischblättern der Michaeliskarte (beide 1:25 000) eingetragen. Bei der Übertragung in den viermal kleineren Massstab der Dufourkarte stiess er an Grenzen: «Selbst auf diesem grossen Formate [der Wild- und Michaeliskarten] war es nicht überall möglich, sämmtliche Unter-Abtheilungen von Gebirgsschichten mit Farben einzutragen, noch weniger aber auf dem Blatte Nr. III des Dufour-Atlasses (1:100,000).»

Grand Prix

Trotz dieser Schwierigkeiten war das 1887 fertiggestellte Kartenwerk eine Meisterleistung, die an der Weltausstellung in Paris 1889 mit dem «Grand Prix» ausgezeichnet wurde. Erstmals war die Schweiz auf einer einheitlichen topografischen Grundlage im Massstab 1:100 000 geologisch dargestellt. Der Felsengrund der Eidgenossenschaft offenbarte sich in der Geologischen Karte der Schweiz in bis dahin ungekannter Informationsdichte und Genauigkeit.
 

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