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Die versteckten Zeichnungen in den Landeskarten

Eine topografische Karte bedeutet per Definition die grafische Darstellung eines Gebietes. Durch ihre Qualität bildet die Grafik der Landeskarten die Wirklichkeit so getreu wir nur möglich ab. Den hohen Anforderungen punkto Genauigkeit und Gründlichkeit zum Trotz findet sich manchmal ein Detail, das der Fantasie seines Schöpfers entsprungen ist.

21.12.2016 | DKW

Die Landeskarten entstehen nicht nur mittels IT-Tools und anhand topografischer Modelle, sondern es bedarf noch immer der menschlichen Hand.

Visuelle Darstellung

Wenn der Kartograf eine Karte herstellt, so stellt er mithilfe technologischer Instrumente eine visuelle Darstellung einer Landschaft auf seinem PC zusammen.

Im Verlaufe der Zeit hat sich der Beruf des Kartografen weiterentwickelt. Heute arbeitet er mithilfe geographischer Informationssysteme (GIS) und ist deshalb eigentlich ein Geomatiker mit Schwer­punkt Kartografie. Er ist zuständig für die Datenaufbereitung, -bearbeitung, -aktualisierung, -analyse und für die grafische Gestaltung von Geoinformationen.

Die Landschaften verändern sich zum Beispiel aufgrund der urbanen Entwicklung oder der klimatischen Veränderungen, weshalb die Karten aktualisiert werden müssen. Bei der Neuauflage werden sie und ihre Inhalte neu bearbeitet. Es kann ausnahmsweise sein, dass der Kartograf seiner Fantasie freien Lauf lässt – ähnlich wie ein Künstler oder Grafiker –und schwer erkennbare Zeichnungen verbirgt; diese stehen jedoch immer im Zusammenhang mit ihrer Umgebung.

Diese versteckten Zeichnungen haben keine Auswirkung auf die Genauigkeit und Detailtreue unserer Karten, auch nicht auf die Sicherheit der Benutzer. Sie verleihen dem nationalen Werk bloss etwas Geheimnisvolles.

Erste Zeichnung: eine Spinne

Die Schweizer Kartografen gingen und gehen immer sehr sorgfältig ans Werk, was der Schweizer Kartografie international zu ihrem guten Ruf verholfen hat. Und obwohl die Fantasie in dieser Tätigkeit nicht viel Platz bekommt, erschien die erste Zeichnung Anfang der 1980er-Jahre mit einer «weissen» Spinne gleich beim Gipfel des Eigers.

Sie entstand aufgrund eines Schneefeldes (der Spinnenkörper), die auf einem sehr engen und technischen Durchgang des Berges erkennbar ist. Sie ist bei allen Bergsteigern, die über die Nordwand aufsteigen, bekannt und gefürchtet. Der Kartograf Othmar Wyss hatte als Erster die Kühnheit, dieses künstliche Detail in die Karte einzubauen. Sieben Jahre später, als die Karte überarbeitet wurde, verschwand die Spinne wieder.

Landeskarte 1:50 000, 254 Interlaken, Ausgabe 1981 - 2'643'393, 1'158'802

«Hardermandli», der Bergsteiger und der Fisch

Im Weiteren sieht man auf der Karte 254, nordwestlich der Stadt Interlaken, ein Gesicht auf der Bergflanke. Wie bei der Spinne ist es vom Tal her seitlich sichtbar. Dieser Ort zieht zahlreiche Schaulustige an. Sein Name «Harderkulm» kommt vom Berggipfel weiter oben. Gezeichnet hat das «Hardermandli» der Kartograf Friedrich Siegfried, ein Fachmann in der Darstellung von Anhöhen.

Landeskarte 1:50 000, 254 Interlaken, Ausgabe 1981, 2'631'950, 1'171'661

Es ist erneut Siegfried, der gegen Ende der 1980er-Jahre einen Bergsteiger an einem italienischen Bergrücken einbaut. Je nach Blatteinteilung werden auf den Landeskarten auch angrenzende ausländische Gebiete abgebildet. Der Bergsteiger entstand, weil die italienischen Geodienste die erwünschten Informationen und Daten nicht lieferten, und der Kartograf dieses Vakuum auf künstlerische Weise nutzte. Interessant ist, dass der Bergsteiger heute noch in der Ausgabe 1:100 000 erscheint.

Landeskarte 1:100 000, 39 Flüelapass, Ausgabe 2001, 2'820'756, 1'158'735

Nach einem Bergsteiger an der Bergflanke ist nichts logischer als ein Fisch im See. Der Kartograf Werner Leuenberger folgte genau diesem Gedankengang und zeichnete einen Fisch wiederum ausserhalb der Schweizer Grenze, auf französischem Boden diesmal: Der Fisch wurde nicht sofort von den Korrektoren entdeckt, da er sich so gut in der grafischen Darstellung des Sumpfgebietes beim See integrierte. Erst bei der Überarbeitung der Karte 1989 verschwand der Fisch von der Oberfläche und tauchte in die Tiefen des Sees ein.

Landeskarte 1:100 000, 35 Vallorbe, Ausgabe 1983, 2'510'074, 1'180'060

Das Jahr des Murmeltiers

Der letzte Schalk der Kartografen war das Murmeltier vom Aletschgletscher. Im September 2016 verriet ein Kartografieprofessor der ETH Zürich über die sozialen Medien den Kartenausschnitt, wo sich das herzige Tierchen versteckt.

Wie bei allen geheimen Zeichnungen wurde die Information, die nur zwei, drei Personen des Bundesamtes bekannt war, geheimgehalten. Als es dann auskam, hatten wir sofort die Spezialisten der Bergformationsgrafiken als mögliche «Täter» in Verdacht. Unsere Recherchen ergaben, dass Paul Ehrlich, Spezialkartograf im Bereich Felsformationen, das Murmeltier 2011 einbaute – kurz bevor er in Pension ging. Es handelt sich um eine grafische Seltenheit, denn zum ersten Mal versteckt sich eine Zeichnung in einer Karte im Massstab 1:25 000. Ebenso interessant ist die Tatsache, dass man dem Murmeltier noch deutlicher auch in der neuen Landeskarte im grösseren Massstab, der automatisch generierten 1:10 000 Landeskarte, begegnet. Paul gab zu, dass er länger über diverse Möglichkeiten und Einbaustellen brütete. Er wollte eine Zeichnung schaffen, die in keiner Weise die Wirklichkeit verändert, aber thematisch gut in die Region passt. Als er an der Felsformation bei dieser Karte arbeitete, sah er förmlich den Ort, wo er eine Zeichnung verstecken konnte. Alle Voraussetzungen waren gegeben, um diskret ein Murmeltier einzufügen. Die Zukunft wird zeigen, ob das Murmeltier auch in der nächsten Neuauflage, um zirka 2019, «weiterleben» darf. Wir fragten Paul, ob er noch andere Zeichnungen versteckt hätte, und er sagte uns, er hätte verschiedene Ideen geprüft, doch nur das Murmeltier schien ihm eine geniale Idee.

Vielleicht werden Sie künftig mit einem aufmerksameren Blick die Landeskarten anschauen. Und vielleicht werden Sie weitere versteckte Zeichnungen entdecken!

Landeskarte 1 :25 000, 1269 Aletschgletscher, Ausgabe 2013, 2'645'950, 1'140'146

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