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Veröffentlicht am 10. Oktober 2022

Millimeterarbeit mit dem Hammer

Vermessen ist Millimeterarbeit. Neben gutem Material und einer funktionierenden Infrastruktur ist das jeweilige Fachwissen entscheidend. Bei swisstopo sind neun Personen regelmässig unterwegs, um die Schweiz zu vermessen. Doch was macht ein Vermesser genau und wie sieht der Alltag aus?

Ende Oktober geht bei swisstopo die Messkampagne 2022 zu Ende. Während rund sieben Monaten überprüften Graziano Palma und acht weitere Geomatiktechniker und -ingenieure – auch als Vermesser bezeichnet – alle 220 Fixpunkte des Schweizerischen Messnetzes. Dabei bauten sie an jedem Fixpunkt ein modernes Messgerät auf, um während 48 Stunden laufend dessen Position mit hoher Präzision aufzuzeichnen. 

Zuverlässig und gründlich

Messkampagnen organisieren und durchführen ist eine Herausforderung. Wer als Vermesser arbeitet, benötigt eine breite Palette an Kenntnissen und Fähigkeiten. Die Freude an Technik, ein räumliches Vorstellungsvermögen, gründliche Arbeitsweise und Geduld tragen zum Erfolg der Kampagne bei. Einen Fixpunkt zu kontrollieren erfordert hohe Genauigkeit bei der Arbeit. Das Messinstrument wird millimetergenau über dem Fixpunkt installiert, 24 Stunden später kontrolliert und nach 48 Stunden wieder abgebaut. Zurück im Büro, werten Graziano Palma und seine Kollegen die gesammelten Daten aus. Die Ergebnisse geben Auskunft über Verschiebungen der Punkte (siehe Beitrag «Einmal ist keinmal» 

«In unserem Beruf hat man die modernsten Messinstrumente und verfolgt die technologische Entwicklung, was uns erlaubt, uns ständig weiterzuentwickeln», Graziano Palma, Geomatiktechniker bei swisstopo.

Sich selbst helfen können

Während einer Messkampagne sind die Fachleute von swisstopo im ganzen Land unterwegs. Die Reise durch die Schweiz bringt nicht nur Freiheit und Abenteuer mit sich, sie erfordert auch grosse Selbständigkeit. Da man als Vermesser oft alleine unterwegs ist, braucht es neben Erfahrung und Fachwissen auch ein gewisses Improvisationsgeschick. So dienen auch mal alte Eisenbahnschienen oder ein Vorschlaghammer zur Befestigung und Sicherung der Messinstrumente.

Sonne und Sturm

Sturm, Regen und Schnee machen die Arbeit der Vermesser nicht nur unangenehm, sie bringen auch Mehraufwand und Gefahren mit sich. «Bei Sturm oder Gewitter kann es vorkommen, dass man auf das Messen verzichten muss. Das Gelände wird rutschig und die Messinstrumente stehen unruhig» so Graziano Palma. Bei speziell exponierten Punkten gilt Teamarbeit. Aus Sicherheitsgründen arbeiten die Vermesser zu zweit und mit einer Fallsicherungsausrüstung.

Grand Tour of swisstopo

Im Rahmen der Messkampagne wird die Schweiz in verschiedene Sektoren unterteilt (siehe Karte). Für jeden Messsektor sind je zwei Mitarbeitende von swisstopo zuständig, die während einer Woche die Fixpunkte in ihrem Gebiet vermessen. Die Route zwischen den Punkten hängt von Topografie und Strassennetz ab. Viele Punkte sind direkt mit dem Auto erreichbar und bequem zugänglich. Bei anderen Messpunkten erhöht sich der Aufwand. In Kontakt mit Hauseigentümer*innen und Gemeinden müssen Durchfahrtsgenehmigungen eingeholt, Wege gesperrt und Plätze zugänglich gemacht werden. Für Kontrollen beim Messpunkt auf dem Monte Generoso (TI) arbeitet swisstopo sogar mit der Zahnradbahn zusammen.

«In meiner Funktion reise ich durch das Land, um das Schweizer Netz an Fixpunkten zu unterhalten und die notwendigen Messungen vorzunehmen. Dies sorgt für dessen anhaltend hohe Qualität»

Graziano Palma - Geomatiktechniker

Graziano Palma arbeitet seit Anfang 2020 als Geomatiktechniker bei swisstopo. Er absolvierte eine Lehre als Geomatiker und erlangte 2018 den eidgenössischen Fachausweis für Geomatiktechnik. Total sind neun Vermessungsspezialisten für die Kampagne im Einsatz. Leider ist zurzeit keine Frau im Team. Während der diesjährigen GNSS-Messkampagne war Graziano Palma 8 Wochen unterwegs und hat dabei 57 Fixpunkte kontrolliert. Dank der Arbeit von ihm und seinen Arbeitskollegen ist die Genauigkeit der Positionsbestimmungen in der Schweiz auf weitere Jahre hinaus gesichert.

Weitere Beiträge zur GNSS Messkampagne

  • Gut geplant ist halb gemessen
  • Die Schweiz bewegt sich
  • Einmal ist keinmal
  • Millimeterarbeit mit dem Hammer

Bundesamt für Landestopografie swisstopo

Ressort Kommunikation und Web
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3084 Wabern