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Sion - Basis von 1831

Die grossartige kulturhistorische Leistung der Dufourkarte besteht unter anderem darin, dass dieses Werk vor dem Hintergrund einer noch nicht geeinten Nation entstand. Dufour war deshalb auf die bedeutende Mitwirkung von Fachleuten aus den einzelnen Kantonen angewiesen.

Gemälde mit Portrait von Josef Anton Berchtold
Josef Anton Berchtold 1847 aus: Walliser Geschichte 3.2

Ein Beispiel für dieses föderalistische Mitwirkungsprinzip ist das Werk des in Sitten wirkenden Domherrn Josef Anton Berchtold (1780–1859). Nach der Ablehnung einer seiner theologischen Schriften widmete er sich den mathematisch-naturwissenschaftlichen Studien. Mit den Vorbereitungen seines Hauptwerks, der trigonometrischen Vermessung seines Heimatkantons, begann er ab etwa 1826

Berchtold war schon 51 Jahre alt, als er im März 1831 im Champsec östlich von Sitten mit eisernen Stangen eine Basis von 2095,82 Meter mass. Nach dieser Grundlinie sollte – vereinfacht gesagt – die Grösse des Wallis bemessen werden. Mit einem Theodolit konnte er Richtungs- und Höhenwinkel messen. Wie Abb. 2 zeigt, wurde die Länge seiner Basis a-b über den Zwischenpunkt Nax n auf die Dreiecksseite Mont d’Orge-Lens Signal m-l übertragen. Auch die Kathedrale von Sitten, wo er bis zwei Jahre zuvor noch Messen gelesen hatte, nahm er in sein erstes Netz auf. Auf sie wollte er die Koordinaten des Wallis beziehen.

Originalzeichnung
2) Die Basis im Champ Sec bei Sion in Berchtolds Berechnungen. Schweizerisches Bundesarchiv BAR, E27/21090, S. 135.

Für diesen Ort war es vorweg nötig, die „Base de Sion aux Champs secs“, die vorher noch nirgends verortet war, einzupassen. Ein GIS zeigte, dass sie nicht auf die Landeskarte passte und somit nicht massstäblich war. Auf Grund von Berchtolds Berechnungsbänden aus dem Bundesarchiv wurde ein kleines Dreiecksnetz zusammengestellt. Nach der „Übersetzung“ in das Eingabeformat des Triangulationsausgleichsprogramms LTOP wurde das Triangulationsnetz ausgeglichen. Die Resultate dieses sogenannt „freien Netzes“ (Abb. 4) belegen die gute Qualität von Berchtolds Beobachtungen: Die maximale Richtungsverbesserung beträgt 18.8 milligon und die maximale Querabweichung 117 mm auf einer Distanz von 16.2 km.

Kartenausschnitt Region Sion mit eingezeichneten Messpunkten und -Linien
4) Teilnetz zur Einpassung der Basis von Sion ins heutige Bezugssystem. Damit waren die Koordinaten der beiden mit schwarzen Dreiecken eingezeichneten Basisendpunkte bekannt. Kartenhintergrund: LK100

Die Abbildung 5 zeigt, wie die im Gelände direkt gemessene Basis auf die Dreiecksseite Mont d’Orge–Nax übertragen wurde, sodass anschliessend die Abstände zwischen allen Triangulationspunkten und deren Koordinaten berechnet werden konnten. Ab 1836 wurde Berchtold tatkräftig durch seinen damals erst 20-jährigen Neffen Josef Anton Müller (1816–1881) unterstützt. 1844 konnten Onkel Berchtold und Neffe Müller die Triangulation des Wallis abschliessen. Das unglaublich umfangreiche Werk ist im Walliser Staatsarchiv zusammengestellt. Die 1500 Seiten Berechnungen beinhalten die 153 Stationen und 7500 gemessenen Winkel sowie die Berechnung von 850 Punkten. 
Nach Abschluss des Werks war der Kanton Wallis bereit für die topografische Vermessung im Hinblick auf die Dufourkarte.

Ausschnitt aus historischer Karte Region Sion mit darübergelegten Messpunkten und -Linien
5) Die Basis von Sion und ihre Übertragung auf die benachbarten Triangulationspunkte Mont d’Orge – Nax im von Domherr Berchtold nach 1831 gemessenen Netz. Kartenhintergrund: Originalaufnahme 407 im Massstab 1:50 000 (hier verkleinert wiedergegeben) der Ingenieur-Topografen Isaac Christian Wolfsberger (1801–1876) und Adolphe-Marie-François Bétemps (1813–1888) von 1841, also etwa ein Jahrzehnt nach der Basismessung. swisstopo, Kartensammlung, LT OA 407.

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