Historische Bezugssysteme

Im 19 . Jahrhundert - vor der Einführung des Bezugssystems CH1903 in die Schweizerische Landesvermessung - wurden insbesondere für die Herausgabe der Dufourkarten und der Siegfriedkarten weitere Referenzsysteme und Kartenprojektionen verwendet, deren Parameter für die Aufarbeitung historischer Daten noch heute nützlich sein können. Neben diesen beiden Referenzsystemen entstanden in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts noch mehrere spezielle kantonale Referenzsysteme, welche allerdings hier nicht aufgelistet werden.

Referenzsystem und Kartenprojektion der Dufourkarte (CH1840)

Die Dufourkarte wurde ab 1845 im Massstab 1:100 000 herausgegeben. Die dazu verwendete geodätische Grundlage war von Johannes Eschmann in den «Ergebnissen der trigonometrischen Vermessungen in der Schweiz» 1840 publiziert worden. Als Bezugsellipsoid wurde das «Ellipsoid von Schmidt 1828» (a = 6376804.37 m, f = 1/302.02, im Original a = 3271773.00 toisen, b = 3260940.03 toisen) verwendet. Nach anderen Quellen wird dieses Ellipsoid auch als «Ellipsoid von Schumacher» bezeichnet. Gelagert wurde das Ellipsoid schon damals auf der alten Sternwarte Bern mit den damals verwendeten Koordinaten aus dem Jahr 1836:
Länge: 7° 26' 24.75'' Ost (im Original: 5.670000 Gon östlich von Paris)
Breite: 46° 57' 06.03'' N (52.168529 Gon)
Als Kartenprojektion für die Dufourkarte wurde eine flächentreue unechte Kegelprojektion verwendet. Diese wird auch als Bonne'sche Projektion oder als modifizierte Flamsteed Projektion bezeichnet. Als Werte für den Koordinatenursprung wurden sowohl 0 | 0 als auch («false easting | northing») 600 000 | 200 000 verwendet.

Unechte oder konventionelle Bonn'sche Kegelprojektion
Als Kartenprojektion für die Dufourkarte wurde eine flächentreue unechte Kegelprojektion verwendet, die Bonn'sche Kegelprojektion

Als Ausgangswert für die Höhenmessung wurde die von Eschmann 1840 bestimmte Höhe des Repère Pierre du Niton von 376.2 m verwendet, welche aus der damals verwendeten Höhe des Chasseral (1609.57 m) abgeleitet worden war.

Referenzsystem und Kartenprojektion der Siegfriedkarte (ab 1870)

Die Siegfriedkarte beruht auf den Bundesgesetzen betreffend die Publikation und die Fortsetzung der topographischen Aufnahmen vom 18. Dezember 1868. Als geodätische Grundlage dienten die gleichen Parameter wie in den Eschmann'schen «Ergebnissen» von 1840, d.h. das Ellipsoid von Schmidt und die «alten» Koordinaten der Sternwarte Bern. Auch als Kartenprojektion wurde weiterhin die Bonne'sche Projektion verwendet.

Einzig als Ausgangshorizont für die Höhen wurde der von Siegfried bestimmte Wert von 376.86 m für den Repère Pierre du Niton eingeführt (der so genannte «alte Horizont»). Als 1903 dieser Wert durch den «neuen Horizont» von 373.6 m ersetzt wurde, blieben sowohl die Höhenkoten als auch die Höhenkurven der Siegfriedkarte im alten System.

Ab 1890 wurden alle älteren Triangulationen auf das inzwischen durch die Schweizerische Geodätische Kommission fertig gestellte und publizierte Netz der schweizerischen Gradmessungspunkte umgerechnet, welches Eschmann’s «Triangulation primordiale» ablöste. Dieses neue Netz beruht auf dem Bessel-Ellipsoid von 1841, einer 1869 bestimmten neuen geografischen Breite der alten Sternwarte Bern von 46°57'08.66'', einer um 0.021 ‰ grösseren Ausgangsseite Chasseral-Rötifluh und einem um 1.17'' kleineren Ausgangsazimut zwischen der Sternwarte Bern und dem Chasseral. Die Längen wurden nur relativ zum Meridian von Bern berechnet. Alle diese Veränderungen wirkten sich im Kartenbild selbst nicht aus; dagegen wurden im Massstab 1:25 000 alle Parallelkreise um 3.2 bis 3.6 mm nach Süden verschoben, die Meridiane maximal um 1 mm vom Nullpunkt nach aussen verschoben. Solche Inhomogenitäten, die sich im Laufe der Zeit sowohl in der geodätischen Grundlage als auch im Kartenwerk selbst ergeben hatten, führten dazu, dass die Siegfriedkarte ab 1935 durch das neue Landeskartenwerk ersetzt wurde.


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