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Zeitreise Luftbilder: 40 Jahre Schweizer Wandel

Das aus Luftbildern hergestellte Orthofotomosaik SWISSIMAGE HIST ist neu auch für die Jahre 1985 bis 1990 verfügbar. Im Online-Werkzeug «Zeitreise Luftbilder» ermöglicht es damit einen durchgehenden Blick auf die Schweiz von 1979 bis heute. Die Veränderungen, die sich anhand des swisstopo-Produkts erkennen und analysieren lassen, faszinieren.

26.03.2020 | frf

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1979 war ein bewegtes Jahr für die Schweiz. Jura wurde zum souveränen Kanton, das Atomkraftwerk Gösgen ging ans Netz und der Hit «YMCA» der Village People stürmte die Hitparaden. Seitdem vergingen vier Jahrzehnte, in denen das Land einen starken Wandel durchlief. Dieser Wandel offenbart sich vielleicht am eindrücklichsten, wenn man auf die Oberfläche des Landes blickt: Städte wuchsen, Agrarflächen verschwanden, Autobahnen wurden gebaut und Einkaufszentren schossen wie Pilze aus dem Boden.

Einen solchen Blick auf die Schweiz im Wandel der Zeit ermöglicht die aus Orthofotomosaiken bestehende «Zeitreise Luftbilder». Sie deckt den Zeitraum von 1979 bis heute ab. Die bisher bestehende Lücke zwischen 1985 und 1990 konnte nun gefüllt werden, wodurch der Wert des Produkts für Wissenschaft, Politik und die interessierte Öffentlichkeit weiter steigt.

Was ist ein Orthofotomosaik?

Die Bilddaten in der Zeitreise Luftbilder sind Orthofotomosaike. In ihnen fügen die Mitarbeitenden von swisstopo Luftaufnahmen zu einem Ganzen zusammen, welches die Schweiz vollständig zeigt. Die Grenzen zwischen einzelnen Luftbildern oder Luftbildstreifen sind dabei kaum mehr erkennbar, da diese vorab geometrisch entzerrt und zu einem farblich angepassten Mosaik kombiniert wurden. In ihrer korrigierten und vereinheitlichten Ausrichtung lassen sie sich nahtlos betrachten. Das Resultat könnte man als ein «Selfie» der Schweiz bezeichnen.

Als Momentaufnahmen der Erdoberfläche stellen Orthofotomosaike bei Recherchen eine spannende Ergänzung zu topografischen Karten dar. Sie zeigen zahllose Details, die nicht Eingang ins Kartenbild finden; zudem lässt sich der Aufnahmezeitpunkt ihrer Einzelbilder eindeutig ermitteln. Topografische Karten helfen wiederum bei der Interpretation von Orthofotomosaiken und gehen zeitlich weiter – bis ins Jahr 1845 – zurück. 

Neuenburg-Serrières in der Zeitreise SWISSIMAGE

Neuenburg: Wachsende Stadt, schrumpfender See

Ein Beispiel für die Chancen, welche sich mit der Zeitreise Luftbilder für die Raumbeobachtung ergeben, bietet die Stadt Neuenburg. Wie die meisten Schweizer Städte wuchs sie in den vergangenen vierzig Jahren stark. Besonders an Neuenburg ist aber, dass die Stadt nicht nur Wälder, Wiesen und Felder in neue Quartiere umwandelte: Die Stadt wuchs auch in den See hinein.

Bereits im 19. Jahrhundert vergrösserte sich Neuenburg, indem es von den geringen Seetiefen in Ufernähe Gebrauch machte. Durch Aufschüttungen liess sich kostbares Land gewinnen: Die besondere Lage der Stadt zwischen dem Bergkamm Chaumont und dem Neuenburgersee machte es attraktiv, die Quartiere in Hafen- und Zentrumsnähe auf Kosten des Sees zu vergrössern. So stehen beispielsweise das Fussballstadion La Maladière und die für ihre rote Farbe bekannte Kirche Notre-Dame de l’Assomption auf Stadtgebiet, das dem See abgerungen wurde.

Landgewinn für den Autobahntunnel

Das jüngste Kapitel der Neuenburger See-Aufschüttungen bahnte sich in den 1970er Jahren an. Die zwischen See und Bergkamm geradezu eingeklemmte Stadt stellte für den Regional- und Transitverkehr seit Jahrhunderten ein Nadelöhr dar. Diese Lage verschärfte sich, als in den 1960er Jahren die Diskussion über den Ausbau der Nationalstrasse 5 zur Autobahn 5 begann. Die heute von Yverdon-les-Bains nach Solothurn führende Autobahn drohte, das Stadtzentrum Neuenburgs mit Autos zu fluten.

Als Lösung setzte sich die Untertunnelung der Stadt von Serrières bis Monruz durch – die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger nahmen diesen Vorschlag 1974 an. Die Bauarbeiten am Tunnel de Neuchâtel dauerten fast zwei Jahrzehnte, bis er 1993 für den Verkehr geöffnet wurde.

Die Zeitreise Luftbilder zeigt auf, wie sehr die Untertunnelung das Stadtbild Neuenburgs veränderte. Die unterirdische Lösung des Verkehrsproblems führte zu erneuten Aufschüttungen am Seeufer. Sie waren nötig, um an den beiden Eingangsportalen des Tunnels den Raum zu schaffen, den die Autobahn und die ins Stadtzentrum führenden Strassen benötigten. Häuserzeilen, die zuvor nur einen Steinwurf vom Seeufer entfernt waren, trennten nun bis zu 150 Meter Land vom Wasser. Für die Stadt bedeutete die Untertunnelung trotz dieser punktuellen Nachteile aber eine nachhaltige Lösung der Verkehrsfrage. 

Neuenburg-Monruz in der Zeitreise SWISSIMAGE

Zeitreise Luftbilder – Wissen über die Schweiz

Das Beispiel Neuenburg zeigt auf, welche Möglichkeiten die Zeitreise Luftbilder eröffnet. Es macht Veränderungen an der Erdoberfläche sichtbar und dokumentiert diese mit hoher Genauigkeit. Damit schafft die Zeitreise Luftbilder eine Schnittstelle zwischen den räumlichen und zeitlichen Dimensionen der Schweiz. Für Wissenschaft, Verwaltung, Politik und die interessierte Öffentlichkeit birgt das Produkt deshalb zahllose Möglichkeiten: Wer räumliche Veränderungen analysieren möchte, ins Landschaftsgedächtnis der Eidgenossenschaft eintauchen will oder aus reiner Neugier durch Schweizer Räume und Zeiten wandern möchte, hat mit der Zeitreise Luftbilder ein ideales Werkzeug zur Hand.
 

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