Die Dufourkarte – ein schweizerisches Kulturerbe

Unter den zahlreichen Kartenwerken, die im 19. Jahrhundert von den verschiedenen europäischen Staaten veröffentlicht wurden, sorgte das Erscheinen der ersten amtlichen Karte der Schweiz, die unter dem Namen „Dufourkarte“ bekannt wurde, für Aufsehen. Als Druck in ihrer Originalversion ist sie im Landesmuseum Zürich und im Parlamentsgebäude in Bern als nationales Symbol ausgestellt.

Dufourkarte

Bedeutung für die Schweiz


Bei einer Würdigung der Topographischen Karte der Schweiz 1:100 000 aus heutiger Sicht denken wir zunächst an ein Kartenbild, welches den bis heute anhaltenden Weltruf der schweizerischen Kartografie begründet hat. Die Karte verkörpert gleichzeitig auch eine grandiose kulturgeschichtliche und politische Leistung, indem es zum ersten Mal die föderalistische Zusammenarbeit der verschiedenen Kantone in einer landesweit einheitlichen Form repräsentiert. Damit wird sie zu einem Symbol für die Entstehung des modernen schweizerischen Nationalstaats, der 1848 begründet wurde.

Das 1838 gegründete Eidgenössische Topographische Bureau bildete eine der ersten Zellen des neuen Bundesstaates. Selbst wenn Landkarten durch aktuellere Ausgaben oder gar neue Kartenwerke ersetzt werden, verlieren sie ihren Wert nicht, denn sie vermögen uns Bilder vergangener Landschaftszustände zu vermitteln. Sie werden so zu wichtigen Quellen der Landschaftsgeschichte. Mit der Möglichkeit, Kartenwerke zu vergleichen, kann man sich ein Bild von den Landschaftsveränderungen der letzten 150 Jahre machen.

Symbolik der Karte im Landesmuseum

Die Dufourkarte bietet zahlreiche historische Anknüpfungspunktet. Der Urheber des Kartenwerkes Guillaume–Henri Dufour war General im Sonderbundskrieg und Mitglied bei der Gründung des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz IKRK..

Die Karte selbst ist Zeugin ihrer Zeit. Die Kantonsgrenzen – auf älteren Karten oft die prominentesten Linien – treten gegenüber der Topografie und den Landesgrenzen in den Hintergrund, eine Entwicklung die sich in der Entstehung des modernen Bundesstaates widerspiegelt. Vergleicht man die Dufourkarte mit nachgetragenen Versionen oder späteren Landeskarten, dann sieht man, wie die Bewohnerinnen und Bewohner der Schweiz die Landschaft verändert haben: mit dem Bau von Häusern, Eisenbahnlinien und Staudämmen und man sieht, wo gewohnt und gearbeitet wurde. Schliesslich bezeugt die Topographische Karte der Schweiz 1:100 00 einen weiteren Trend der Zeit, die Faszination für die Alpen. Die Schraffur macht den Tiefeneindruck beinahe plastisch und erinnert an die Faszination, die die Berge auf zahlreiche Einheimische und Besucher schon damals ausgeübt haben muss. Diese wiederum führte zum mehr Tourismus und eine verbesserte verkehrstechnische Erschliessung der Alpen

Die Topographische Karte der Schweiz 1:100 000 ist im Landesmuseum gleich an zwei Orten zu bewundern, einerseits in der Ausstellung „Geschichte Schweiz“ und andererseits beim Eintritt in den im August 2016 eröffneten Neubau.

Symbolik der Karte im Parlamentsgebäude


Das Parlamentsgebäude, 1894–1902 vom St. Galler Architekt Hans Wilhelm Auer realisiert, wurde von Schweizer Handwerkern mit Schweizer Materialien erbaut und von Schweizer Künstlern ausgeschmückt. Es gilt als eines der wichtigsten Symbole der Schweizerischen Eidgenossenschaft und ist für jeden Schweizer Bürger der Inbegriff des politischen Lebens der Schweiz.

Im Besuchereingang, welcher 2006–2008 von den Berner Architekten Aebi & Vincent erstellt wurde, fügt sich die Topographische Karte der Schweiz, auch Dufourkarte genannt, nahtlos in die Thematik der Schweizer Wahrzeichen ein.
Entsprechend der Gründungsszene von 1291 gegenüber dem Haupteingang, ist die ist die Topographische Karte der Schweiz Sinnbild für die Neugründung des schweizerischen Bundesstaates von 1848. Die Gruppe des Rütlischwurs und die Karte symbolisieren so die Geschichte der Schweiz von den Anfängen bis in die Neuzeit.
Die Karte zeigt alle Landschaften der Schweiz und gleichzeitig die gültigen Grenzen zu den benachbarten Ländern. Sie weist auf die politische Struktur der Eidgenossenschaft hin, welche aus Kantonen bestehend, deren vom Volk gewählte Vertreter in diesem Gebäude das Land regieren.

Ferner steht die Topographische Karte der Schweiz auch für übertragene Werte wie Genauigkeit, Präzision und Pionierleistungen der Schweiz und im weiteren Sinne auch für Tradition, Integration und Zusammenleben in der Viersprachigkeit.

Geschichte der Topographischen Karte der Schweiz 1:100 000

Die Kommission für Landesaufnahme erarbeitete 1832 ein umfassendes Konzept für die Vermessung und Kartierung des gesamten schweizerischen Territoriums. 1832 wurde Dufour von der Tagsatzung zum Chef der Vermessung ernannt. Die von ihm vorgesehene Blatteinteilung – das gesamte Kartenwerk besteht aus 25 Einzelblättern – wird noch heute für die Landeskarte 1:100 000 verwendet.

Nachdem die grossräumige Vermessung abgeschlossen war, konnte Dufour die Instruktionen für die Detailaufnahmen herausgeben. In einzelnen Kantonen konnte auf schon vorhandene Aufnahmen zurückgegriffen werden. Alljährlich musste Dufour der Tagsatzung, ab 1848 dem Bundesrat, einen Rapport über den Stand der Arbeiten vorlegen.

1861 waren die Vermessungen und Aufnahmen abgeschlossen, 1865 wurde das letzte Blatt gedruckt und das Eidgenössische Topographische Bureau nach Bern verlegt. Insgesamt wurden zwischen 1845–1865 57 952 Exemplare der Topographischen Karte der Schweiz gedruckt.

Triangulation erster Ordnung und Höhenmessung

Als geometrische Grundlage und Gerüst für die Erstellung der Landeskarte wurde das Gelände nach der Methode der Triangulation mit einem Netz von Dreiecken überspannt. Aus einer genauen Distanzmessung im Grossen Moos und vor allem aus Winkelmessungen auf allen Dreieckspunkten, den sog. Triangulationspunkten, konnten deren Koordinaten berechnet werden. Auf diese Weise entstand das erste zuverlässige geometrische Referenznetz für das ganze Land, das auch die Regionen nördlich der Alpen mit den Regionen südlich der Alpen verband.

Um die Höhe der Berge nicht nur relativ zueinander zu bestimmen, brauchte man einen Punkt, den so genannten Höhenhorizont, dessen genaue Meereshöhe bekannt sein musste. Nur grenzt die Schweiz nicht ans Meer, woher also die Meereshöhe bestimmen? Der Referenzpunkt des Landesnivellements ist der Pierre du Niton, der grössere der Findlinge im Hafen von Genf. Er wurde 1820 von Dufour selbst – damals in seiner Funktion als Genfer Kantonsingenieur – dafür ausgewählt und dient nach wie vor als Ausgangspunkt für das Schweizer Höhensystem. Seine Höhe wurde anfänglich durch Anschlussmessungen an französische Referenzpunkte bestimmt, später wurden Präzisionsnivellements zu den Meerespegeln der an unser Land angrenzenden Nachbarländer durchgeführt.

Drucktechnik mit Kupferplatten

Die Karte wurde ursprünglich einfarbig mit Tiefdruckpressen gedruckt und bis 1939 nachgeführt.
Die Markierungen und Einschnitte im Kupfer werden beim Abdruck sichtbar.

Die Darstellung erfolgte in Schattenschraffen mit Nordwestbeleuchtung, wodurch die Karte besonders plastisch erscheint. Diese so genannte «Schweizer Manier» brachte dem Topographischen Bureau mehrere internationale Auszeichnungen, so auch eine Goldmedaille an der Weltausstellung 1855 in Paris.
Beim Kupferdruck wird die recht flüssige Druckfarbe auf der Platte verteilt und danach sorgfältig abgewischt, so dass sich nur in den Vertiefungen der eingravierten Linien Farbe befindet. Die Platte wird anschliessend mit hohem Druck auf ein feuchtes Blatt Papier gepresst, das die Farbe aus den Vertiefungen aufnimmt.

Zwischen 1908 und 1910 wurde mit blau eine zweite Farbe für die Gewässer eingeführt. Später fand auch ein grüner Waldton sowie ein rotes Kilometernetz Verwendung.

Biografie von Guillaume-Henri Dufour

1787
Guillaume-Henri Dufour wurde in Konstanz geboren, wuchs jedoch in Genf auf, wo er Geisteswissenschaften und Physik studierte.

1807–1810
Er liess sich in Paris (Ecole Polytechnique) und in Metz (Ecole supérieure d'application du génie) weiter ausbilden.

1810–1817
Dienst in der französischen Armee
In der eidgenössischen Armee machte Dufour Karriere als Mitbegründer der Militärschule in Thun, wo er auch den Prinzen Louis-Napoléon Bonaparte ausbildete.

1817—1850
Kantonsingenieur von Genf

1832–1865
Verantwortlicher für die Vermessung und die Erstellung der "Topographischen Karte der Schweiz 1:100 000“, welche später Dufourkarte genannt wurde.

1840
Vorschlag von Dufour für eine eidgenössische Fahne wurde angenommen.

1863
Einer der fünf Gründer des späteren Internationalen Komitees des Roten Kreuzes.

1875
Dufour starb in seinem 89. Lebensjahr in Les Eaux-Vives. Er erhielt ein Staatsbegräbnis, dem über 60 000 Menschen aus der ganzen Schweiz beiwohnten.

 


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