Hintergrundinformationen zu den Landeskarten

Die heute gültigen Landeskarten der Schweiz basieren auf dem Bundesgesetz von 1935. Diese in verschiedenen Massstäben erstellten Landeskartenwerke lösten die Dufour- und Siegfriedkarte sowie ihre Nebenkarten ab.

Kartenausschnitt aus der Gegend von Zürich. Der Ausschnitt stammt vom Blatt 32 der Erstausgabe der Landeskarte im Massstab 1:100‘000 aus dem Jahr 1959.
Kartenausschnitt der Landeskarte 1:100 000 von 1959

Ausgangslage

 Schon gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurden die Mängel der damaligen «Landeskartenwerke» immer augenfälliger. Ein heterogenes Erscheinungsbild, uneinheitliche Grundlagen, überholte Geländedarstellung mittels Schraffen (Dufourkarte) oder landesweit unterschiedliche Massstabsgebiete 1:25 000/1:50 000 (Siegfriedkarte) führten zu diesem Eindruck. In den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts setzte sich die Landestopografie mit einer grossen Zahl von Kartenproben mit neuen Darstellungsformen auseinander. Nach 1927 intensivierte sich die fachtechnische Diskussion um die Erstellung eines neuen Landeskartenwerks unter massgeblicher Beteiligung von Eduard Imhof, Professor für Kartografie an der ETHZ. 

Gesetzliche Grundlage

Am 21. Juni 1935 wurde das Bundesgesetz über die Erstellung neuer Landeskarten (SR 510.62) erlassen. Im Ausführungsplan für die Erstellung der neuen Landeskarten vom 9. Dezember 1936 verfügte das Eidgenössische Militärdepartement die wesentlichen technischen und organisatorischen Massnahmen, wonach die Dufour- und Siegfriedkarte durch sechs neue, sich gegenseitig ergänzende Landeskartenwerke (LK) innerhalb der Massstabsgrenzen von 1:25 000 – 1:1 000 000 ersetzt werden sollte. Diese gliedern sich in eine Gruppe topografischer Landeskarten (LK25, LK50, LK100), und eine Gruppe geografischer Landeskarten zur übersichtlichen Kartierungen der Schweiz und ausländischer Grenzgebiete (LK200, LK500, LK1000). Mitte 2008 wurde das Bundesgesetz vom 5. Oktober 2007 über Geoinformation (Geoinformationsgesetz, GeoIG) in Kraft gesetzt, wodurch die Landeskartenwerke auf eine neue Grundlage gestellt wurden. 

Geodätische Grundlagen

Ein wesentliches Argument für ein neues Landeskartenwerk bildete die Erneuerung der schweizerischen Landesvermessung mit dem Bezugssystem CH1903 zu Beginn des 20. Jahrhunderts: Die winkeltreue schiefachsige Zylinderprojektion (heute als «Swiss Grid» bezeichnet) wurde eingeführt und die Höhe des «Repère Pierre du Niton» im Hafen von Genf mit dem Höhenwert 373.6 m als Ausgangshorizont für das Landeshöhennetz LN02 festgelegt.

Topografische Grundlagen

1912 wurde mit dem Zivilgesetzbuch die Grundlagen für die grossmassstäbliche Grundbuchvermessung (heute «Amtliche Vermessung») geschaffen. Hier übte der Bund zwar nur die Oberaufsicht aus, beteiligte sich aber namhaft an der Erstellung des Übersichtsplans 1:5 000/1:10000, um diese kantonalen Planwerke als topografische Grundlage für ein neues Landeskartenwerk verwenden zu können. Mit der Landeskarte 1:25 000 (LK25) wurde eine möglichst lückenlose kartografische Darstellung des Inhaltes der Originalübersichtspläne angestrebt.

Mitte der 1930er-Jahre wurde wegen der weltpolitisch gefährlichen Lage der Landeskarte 1:50 000 erste Priorität eingeräumt, welche im Alpenraum (Réduit) sofort in Angriff genommen wurde. Deren topografische Grundlagen wurden mittels terrestrischer Photogrammetrie durch die Landestopografie erhobe. Bei Vergleichen von unterschiedlichen Kartenständen oder unterschiedlicher Massstäbe muss somit beachtet werden, dass sich hinter einem für den durchschnittlichen Nutzer homogen wirkenden Kartenbild eine heterogene Quellenlage verbirgt.

Die Original-Übersichtspläne wurden fotografisch in den Massstab 1:10 000 reduziert und gemeindeweise als Mosaik auf eine sogenannte «Korrektostat-Platte» mit Papier beschichtetem, praktisch verzugsfreiem Aluminium eingepasst. Auf dieser Grundlage erfolgte eine redaktionelle Bearbeitung im Feld. Die Korrektostat-Platten wurden wiederum fotografisch in den Publikationsmassstab 1:25 000 reduziert und als Anhaltekopie auf Glas kopiert. 

Blatteinteilung

Die schon von Dufour festgelegten Grundwerte der Blatteinteilung wurden übernommen, wonach ein Blatt der LK100 eine Fläche von 70 x 48 km abdeckt. Jede LK100 umfasst vier Blätter der LK50, deren einzelnes Blatt wiederum vier Blätter der LK25 enthält. Die Blattnummern sind für die LK25 vier-, für die LK50 drei- und für die LK100 zweistellig. Östlich der km-Koordinate 830 tragen die Blätter den Nummernzusatz –bis.

Zeitliche Etappierung der Landeskartenwerke

* Ab 1938 bis in die erste Hälfte der 1950er-Jahre wurde die Landeskarte 1:50 000 in Form sogenannter «Normalblätter» produziert, welche die West- bzw. Ost-Hälfte eines heutigen Blattes umfassen. Deren Nummern entsprechen der zweifachen heutigen Nummer (plus 1 für die rechte Hälfte). ** Bei der Landeskarte 1:25 000 ist nur eine derartige Normalausgabe (Blatt 2171 St-Ursanne E von 1951) nachgewiesen.
Landeskarte  Anzahl Blätter  Erstausgabe von Erstausgabe bis Nachführung ab
1:25 000  249 **  1952  1979  1956 
1:50 000 78 ½ * 1938  1963  1939 
1:100 000  22 ½ 1954 1965 1956
1:200 000 1971 1976 1975
1:500 000 1965 1976
1:1 000 000 1993/94

Nachführung

Der Ausführungsplan von 1936 sah vor, für die Nachführung der Landeskarten auch den aktuellen Stand der Grundbuchvermessungen zu verwenden. Dieser Weg erwies sich aus verschiedenen Gründen nicht als praktikabel, sodass 1968, als die Erstellung der Erstausgabe der LK25 noch in vollem Gang war, ein 6-jähriger Nachführungszyklus eingerichtet wurde. Die Geometrie der Nachführungselemente wurde mittels Luftbildmessung (Aerophotogrammetrie) erhoben, wobei die Stereomodelle an den analogen Auswertegeräten direkt in die LK25 (Nachführungsmassstab), ab ca. 1993 an den analytischen Plottern in nicht signalisierte, aber eindeutige Triangulationspunkte (Kirchturmspitzen etc.) eingepasst wurden. Die Auswertungen wurden jeweils durch eine Feldbegehung vor Ort überprüft. Die LK50, LK100 usw. (sogenannte «Folgemassstäbe») wurde anhand redaktioneller Bearbeitungen nachgeführt. 

Reproduktion

Die kartografischen Reproduktionsarbeiten erfolgten durch Schichtgravur auf Glas. Der chemische Aufbau der Gravurschicht wurde durch Mitarbeiter der Landestopografie entwickelt. Nach ersten erfolgreichen Tests nach 1989 (Blatt 1168 Langnau und Blatt 1072 Winterthur) wurde ab 1996 die Kartenproduktion sukzessive auf CAD-Systeme mit einer Spezialsoftware verlegt. Dazu war es nötig, alle Druckfilme zu scannen, wodurch ab ca. 1992 die Landeskarten zunehmend auch in digitaler Form (Pixelkarte) angeboten wurde. Der Kartendruck auf Papier erfolgte nach dem Offsetdruck-Verfahren. 

Genauigkeit

 Als Faustregel kann beim Landeskartenwerk von einer Genauigkeit von 0.1 bis 0.3 mm ausgegangen werden (entspricht bei der LK25 2.5 bis 7.5 m in natura, bei der LK50 5 bis 15 m, usw.). Aufgrund des Herstellungsverfahrens (Ableitung aus Grundlagen in grösserem Massstab) fallen die topografischen Fehler praktisch nicht mehr ins Gewicht. Eine Verzerrungsanalyse über einen Ausschnitt von 16 km2 der LK25, bei der als Referenz grossmassstäbliche Daten der Amtlichen Vermessung verwendet wurden, zeigte bei über 270 Kontrollpunkten eine mittlere Abweichung von 4.1 m, womit obige Werte bestätigt wurden.


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