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Viel Verkehr über den Wolken

Der Luftpolizeidienst ist eine der Hauptaufgaben der Schweizer Luftwaffe. 40 bis 60 Mal pro Jahr steigen die Piloten in ihren F/A-18-Maschinen auf, weil ein ziviles Flugzeug Probleme hat, weil Sperrzonen missachtet werden oder weil ein Missverständnis vorliegt. Geodaten, Dienste und Karten von swisstopo sind wertvolle Grundlagen für die Piloten im Training und im Einsatz.

06.05.2019 | DKW

Flugplatzkommando Payerne

Auf dem Militärflugplatz in Payerne trainieren die Piloten der Luftwaffe auf F/A-18 Maschinen ihre Fertigkeiten anhand verschiedener Übungen, in der Luft und im Simulator. Sie stellen auch den Luftpolizeidienst sicher – eine wichtige Funktion angesichts der Tatsache, dass der Schweizer Luftraum intensiv genutzt wird. «Man kann das vergleichen mit der Aufgabe, welche die Polizei am Boden hat», erklärt Oberstleutnant Aldo Wicki und meint damit den Ordnungsdienst, das Kontrollieren, das Durchsetzen von Vorschriften und Regeln sowie die Hilfeleistung. «Genau die gleiche Aufgabe haben wir im Luftraum. Aufgrund der intensiven Nutzung kommt es immer wieder zu Vorkommnissen, hinter denen meistens keine böse Absicht steckt. Das kann ein Missverständnis sein, oder ein technisches Problem. Allerdings haben seit 9/11 terroristische Aspekte eine ganz andere Gewichtung bekommen. Heute ist es nicht mehr vorstellbar, dass ein grosser Kongress wie das Weltwirtschaftsforum stattfindet, ohne massiv gesichert zu sein, am Boden und in der Luft.»

 

Vielfältige Luftpolizei-Einsätze

Wie muss man sich einen luftpolizeilichen Einsatz vorstellen? Was passiert da genau? «Es kann sein, dass die militärische Luftraumüberwachung selbst ein Luftfahrzeug erfasst, das sich auffällig verhält. Es kann auch sein, dass uns die zivile Luftsicherung ein Problem meldet und die Luftwaffe um einen Luftpolizei-Einsatz bittet. Dann starten unsere F/A-18, um beispielsweise ein nicht identifiziertes Flugzeug oder Flugobjekt, das sich regelwidrig verhält, abzufangen.»

Je nach Auftrag wird ein solches Flugzeug visuell identifiziert und das Ergebnis über Funk der Einsatzzentrale gemeldet. «Wir melden den Flugzeugtyp, die Immatrikulation, allfällige Spezialausrüstung und weitere Details, die wir erkennen und feststellen können. Oder wir bekommen den Auftrag, ein Flugzeug in einer so genannten Shadow-Mission zu begleiten, bis es die Landesgrenze überflogen hat oder bis man eindeutig feststellen kann, welche Absichten das Flugzeug beziehungsweise die Besatzung hat. Es kann auch sein, dass wir das Flugzeug vor einer Sperrzone abdrängen müssen, beispielsweise im Fall eines eingeschränkten Luftraums.»

Ein Beispiel dafür ist das Weltwirtschaftsforum, für das jeweils eine Flugverbotszone errichtet wird. Nähert sich ein Flugzeug dieser Sperrzone, gewollt oder ungewollt, können die Piloten den Auftrag bekommen, dieses Flugzeug abzudrängen oder zur Landung zu zwingen. Dafür gibt es international gültige Verfahren. «Wenn die Kommunikation über Funk nicht möglich ist, gibt es standardisierte Zeichengebungen, beispielsweise mit den Flügeln wackeln oder das Fahrwerk ausfahren. Diese Signale sollte die Besatzung des anderen Flugzeugs kennen, und sie muss ihnen Folge leisten.» Im äussersten Notfall, als allerletzte Option, würde mit einem Abschussbefehl aus der Einsatzzentrale der Luftwaffe das Flugobjekt durch die F/A-18 mit einem Waffeneinsatz zerstört .

Flugplatzkommando Payerne

Der Luftpolizeidienst wird ausgebaut

Derzeit ist die Schweizer Luftwaffe dabei, mit dem so genannten LP24 einen Luftpolizeidienst aufzubauen, der an 365 Tagen im Jahr lückenlos einsatzbereit ist. Dieser Aufbau erfolgt etappenweise und ist mit grossen Anstrengungen verbunden: «Wir müssen erst genügend Leute ausbilden, damit wir diese Dienstleistung rund um die Uhr erbringen können», gibt Aldo Wicki zu bedenken. «Es braucht nicht nur Piloten und Flugzeuge, es braucht auch mehr Mechaniker, Techniker, Flugsicherungspersonal und zusätzliches Personal in der Einsatzzentrale der Luftwaffe, um die 24-Stunden-Bereitschaft sicherstellen zu können.» Im Ausland ist der so genannte Quick Reaction Alert, QRA, schon lange Standard. In der Schweiz wird es ab dem Jahr 2021 soweit sein.

 

Realistische 3D-Darstellung im Simulator

Rund 15 Prozent ihrer Flugtätigkeit verbringen die F/A-18-Piloten im Simulator. Er verfügt über vier Cockpits und erlaubt das Training von bis zu vier einzelnen Piloten oder vier Piloten gleichzeitig in einem Einsatzverband gegen virtuell generierte gegnerische Verbände. Sowohl im Simulator wie auch im Cockpit der Flugzeuge kommen Geodaten von swisstopo zum Einsatz. Reto Ramseyer, technischer Leiter, kennt die Details: «Aktuell brauchen wir für die Projizierung der Aussenwelt das DHM25-Höhenmodell. Dieses wird in ein Polygon-Raster umgewandelt und überlagert mit 50-Zentimeter-Orthofotos, also Luftbildern. Daten aus den topografischen Landschaftsmodellen brauchen wir für die Visualisierung der Gebäudepositionen, Antennen und Masten. Dazu kommen noch die aeronautischen Karten, die in verschiedenen Massstäben aufbereitet werden.»

Die Geodaten von swisstopo ermöglichen im Simulator die realistische Darstellung der Aussenwelt, des Geländes und der Gebäude, so als würde man tatsächlich in der Schweiz herumfliegen. Die Daten sind georeferenziert, so dass der Pilot sich im Luftraum orientieren kann. Die Qualität der Daten beeindruckt nicht nur die Piloten: «Unsere Datenbank hat beim Hersteller des Simulators grossen Eindruck gemacht», bestätigt Reto Ramseyer, «vor allem das Höhenmodell und die Qualität der Luftbilder.»  

Erneuerung der Datenbank mit neuen Produkten von swisstopo

Derzeit im Gange ist ein Projekt zur Erneuerung der Datenbank und des Projektionssystems im F/A-18. «Dafür benötigen wir neue räumliche Referenzdaten von swisstopo. Das Höhenmodellwird verbessert und ist künftig mit swissALTI3D in Auflösungen zwei, fünf und zehn Metern erhältlich. Die Luftbilder haben neu eine Auflösung von fünfundzwanzig Zentimetern. Zusätzlich verwenden wir den Gebäudedatensatz swissBUILDINGS3D sowie weitere topografische Vektordaten für die Darstellung von Bäumen, Masten und Antennen.»

Gibt es Alternativen zu den Produkten von swisstopo? «Nicht in dieser Qualität», ist Reto Ramseyer überzeugt. «Sie würden uns auch wesentlich mehr kosten, denn swisstopo stellt uns diese Georeferenzdaten für zivile und militärische Zwecke im Rahmen der Aufgaben der Landesvermessung zur Verfügung.»

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