swissSURFACE3D: Meilenstein erreicht und Weichen für die Zukunft gestellt
Mit der Veröffentlichung der Daten für den Kanton Bern liegen nun für die gesamte Schweiz und das Fürstentum Liechtenstein einheitliche und hochpräzise LiDAR-Daten von swissSURFACE3D vor. Die im Frühling 2017 gestartete Kampagne zur flächendeckenden Erfassung wurde in sechs Etappen durchgeführt und dauerte insgesamt etwas mehr als sieben Jahre. Aufgrund der hohen Nachfrage und der guten Erfahrungen hat swisstopo einen neue LiDAR-Erfassungskampagne lanciert und stellt so die Nachführung der Produkte swissSURFACE3D und swissSURFACE3D Raster sicher.

Anwendungsbeispiele von LiDAR-Daten bei swisstopo
Nachführung swissALTI3D
swisstopo verwendet die LiDAR-Daten hauptsächlich für die Nachführung bestehender Terrainmodelle. Sowohl Punktdichte wie auch Präzision der Messungen führen zu einem deutlichen Qualitätsgewinn. Zudem reichen die Daten nun weiter über die Schweizer Landesgrenze hinaus, so dass beispielsweise das Matterhorn nun vollständig durch swissALTI3D-Daten abgedeckt ist. Bis 2025 wird die Rasterzellauflösung von 50 cm von swissALTI3D schweizweit auf hochauflösenden LiDAR-Daten basieren. Vorher- / Nachher-Vergleiche anhand von Reliefschattierungen zeigen ein deutliches Bild:
Neues Oberflächenmodell: swissSURFACE3D Raster
Ein digitales Oberflächenmodell (DOM) unterscheidet sich von einem digitalen Terrainmodell dadurch, dass es das Terrain mitsamt Vegetation und künstlicher Bebauung wie etwa Gebäuden oder Brücken wiedergibt. Aus den LiDAR-Daten von swissSURFACE3D kann swisstopo swissSURFACE3D Raster ableiten. Dies ist ein aktuelles, hoch aufgelöstes und fast vollautomatisch gerechnetes DOM, dass jeweils kurz nach den LiDAR-Daten erscheint.
Change detection für die Produktion von swissTLM3D
Ein oft verwendetes Produkt von swisstopo ist swissTLM3D - das topografische Landschaftsmodell der Schweiz. Es enthält die natürlichen und künstlichen Objekte und bildet diese dreidimensional ab. Die Landschaft befindet sich in einem ständigen Wandel. Alle Veränderungen müssen entdeckt und nachgeführt werden. Diese werden auch mithilfe von klassierten LiDAR-Daten gefunden. Aus der LiDAR-Punktwolke können beispielsweise Gebäude oder Brücken anhand ihrer Klassenzugehörigkeit extrahiert werden. Danach werden sie mit dem bestehenden TLM-Datensatz verglichen. Detektierte Unterschiede weisen schlussendlich auf reale Veränderungen hin.

Externe Anwendungsbeispiele
Archäologie
Im Herbst 2023 entdeckte ein ehrenamtlicher Detektorgänger eine auffällige Geländestruktur in der Flur Colm la Runga, etwa 900 Meter über einem antiken Gefechtsfeld. Er nutzte dafür die Reliefschattierung des digitalen Geländemodells swissALTI3D. Diese wiederum basiert auf den hochauflösenden LiDAR-Daten von swissSURFACE3D, welche selbst kleinste Höhenunterschied im Gelände erfassen. Da Archäologische Funde und Fundstellen (und dazu gehören auch solche Entdeckungen im LiDAR) der Allgemeinheit gehören, meldete der ehrenamtliche Mitarbeiter verschiedener Kantonsarchäologien die Entdeckung dem Archäologischen Dienst Graubünden. Die auffällige Geländestruktur entpuppte sich als künstliche Befestigung einer Kuppe mit mehreren Gräben und Wällen. Erste Funde und Untersuchungen zeigen, dass es sich dabei tatsächlich um ein 2000 Jahre altes, römisches Lager handelt. Mehr dazu: Römisches Militärlager in Graubünden neu entdeckt.
Landschaftsgestaltung und Stadtplanung
Forscher und Architekten des large scale virtualization and modeling lab der ETH Zürich verwenden swissSURFACE3D LiDAR-Punktwolken als Grundlage für eine ganzheitliche Herangehensweise bei der Landschafts- und insbesondere der Stadtgestaltung. Die LiDAR-Daten dienen dabei drei zentralen Komponenten:
- Der Geländemodellierung. Geländemodelle ermöglichen ein besseres Verständnis der räumlichen Strukturen und der Entwicklung von standortspezifischen Lösungen.
- Der wissenschaftlichen Visualisierung: biophysikalische Eigenschaften wie Höhenunterschiede, Hangneigungen oder Vegetationsmuster können abgeleitet werden und unterstützen so eine analytische und designorientierte Auseinandersetzung mit der Landschaft.
- Der Berechnung von «Landschaftsphysik»: Durch LiDAR-Daten abgeleitete Geländemodelle können beispielsweise mit klimatischen oder hydrologischen Daten kombiniert werden, um Auswirkungen urbaner Hitzeinseln oder Versiegelung zu simulieren. Solche Simulationen sind essentiell für eine nachhaltige urbane Entwicklung.
Das folgende Video veranschaulicht die drei Komponenten am Beispiel eines städtebaulichen Entwurfs der Genfer Gemeinde Carouge.
Ausblick
Im Rahmen der neuen Kampagne wurden bereits die Kantone Appenzell Innerrhoden und Appenzell Ausserrhoden, Glarus, Schaffhausen, Schwyz, St. Gallen, Thurgau, Zug und Zürich beflogen. Diese Daten sind aktuell in Bearbeitung und werden in den kommenden Monaten fortlaufend publiziert. Und es geht weiter: Zurzeit werden LiDAR-Daten in der Romandie (blauer Block) kontinuierlich erfasst. Ab 2030 sollten die Daten flächendeckend verfügbar sein.

Neuerungen
Unter Berücksichtigung der Kundenrückmeldungen und Anregungen sowie des Fortschritts in der LiDAR-Technologie hat swisstopo entschieden, für die kommende Version von swissSURFACE3D folgende Neuerungen einzuführen:
- eine höhere Punktdichte: min. 10 Pulse pro m2
- zusätzliche Klassen: Fassaden, Strommasten/Transportmasten, Stromleitungen/Transportkabel und Brückenpfeiler / tragende Seile
- synthetische Punkte auf Gewässern und unter Brücken
- normalisierte Intensitätswerte für einen flächenübergreifenden Vergleich der Werte
- ein neues Datenformat: cloud optimized point cloud .laz statt den bisher gezippten .las-Files
Falls Sie Fragen oder spezifische Anregungen zu den geplanten Messkampagnen, zu swissSURFACE3D oder generell zu unseren Geodaten haben, freuen wir uns über Ihre Mail an geodata@swisstopo.ch. Bleiben Sie auch mittels des geodata-Newsletters auf dem Laufenden: Anmeldung für den Geodata Newsletter.









